Reiseberichte

Menorca – nicht nur ein Reiseziel für Familien

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Menorca, 60km lang und 20km breit, ist nach wie vor ein Geheimtipp im Mittelmeer. Malerische Buchten, lange Sandstrände und vor allem Natur pur und unberührt, so stellt sich mir die Insel da. Nur gut 2 Stunden habe ich von Düsseldorf im Flieger nach Mahon gesessen.
Meine Unterkunft für 2 Nächte liegt im Nordosten der Insel in Son Parc, einer Urlaubs­region mit einigen Hotel- und Apartmentanlagen. Hier liegt auch der einzige 18 Loch Golfplatz der Insel, deren Betreiber sich in langem Rechtsstreit gegen die große Lobby der Naturschützer durchsetzen konnte.

Das Örtchen ist noch ziemlich verpennt Mitte Juni. Die malerische naturbelassene Strand­bucht erinnert mich ein wenig an Formentera. Das Wasser ist so sauber, als hätte man den Wasserkran aufgedreht und klarstes Wasser in die Bucht eingelassen. Eigentlich auch ganz wie auf Formentera.

Ein Ausflug führt uns am nächsten Tag in die Hauptstadt der Insel, Mahon. Die Stadt selbst ist schon sehr sehenswert: Europas größter Naturhafen ist fast 6km lang und an einigen Stellen mehr als 1km breit.
Wir sind zu einer Hafenrundfahrt eingeladen und die lohnt sich absolut. Die zahlreiche Festungsanlagen, die den Hafenfjord säumen, stammen aus der englischen Besatzungs­zeit der Insel und sind zum Teil per Führung oder in Eigenregie zu besichtigen.

Das Städtchen Mahon hat sich entlang des südlichen Ufers ausgebreitet und so reihen sich kleine Privatvillen und Tapabars an niedlich Stadthotels und urgemütliche Restaurants und profitieren von einem traumhaften Ausblick. Ein Bummel über die Promenade oder die kleine Fußgängerzone Mahons führt meine Kollegin Sabine und mich an ausgefallenen kleinen Geschäften und Boutiquen vorbei, hier muss man sich eigentlich Zeit lassen. Haben wir aber leider nicht, so erstehe ich einen Fächer und Sabine einen Bastkorb und dann schnell zum Bus.
Wir sind uns einig, dass ein Besuch am Abend in den kleinen Gässchen ein absolutes Muss ist.

Am nächsten Tag geht es mit Britta, unserer Reiseleiterin, die es in den 70ern der Liebe wegen nach Menorca verschlagen hat, und der kleinen Reiseverkäufergruppe Richtung früherer Inselhauptstadt Ciutadella an die Westküste.
Auf dem Weg dort hin machen wir einen kurzen Stop an einer der schönsten Buchten der Insel, die Cala Galdana. Im kristallklaren Wasser liegen eine ganzen Reihe Segel­schiffe und wir können von unserem Aussichtsplatz doch tatsächlich eine recht stattliche Wasserschildkröte erkennen. Wusste gar nicht, dass es so etwas im Mittel­meer gibt.

Auf der Weiterfahrt durch die wunderbaren naturbelassene Landschaft, 43% der Insel sind UNESCO Biosphärenreservat, fahren wir durch verschlafene Städtchen und Dörfer, kehren schließlich in einem Molkereibetrieb ein, der für die Region typisch und besonders köstlichen Käse herstellt.
Hier gibt es 95% Ökobauern, kein Wunder, das der Käse in den unterschiedlichen Reife­graden so gut schmeckt. Den dazu gereichten Landwein schenken wir uns, dafür ist es echt noch zu früh. Hier erstehen wir allerdings Käse und wie sich später zeigt, auch zu einem wirklich guten Preis.

Nächstes Highlight: der El Toro, höchster Berg Menorcas. Von hier hat man einen herrlichen Überblick über die Insel in alle Himmelsrichtungen. Wir können sogar von hier die „große Schwester“ Mallorca erkennen.

Auf der Weiterfahrt machen wir noch einen, viel zu kurzen, Stop an einer Schuhfabrik. Hier sind alle Frauen der Gruppe schwer gefährdet. Wir müssten hier unbedingt noch mal in Ruhe stöbern …!
Schade … weiter, das ist das Los eines Reiseverkäufers auf einer Fortbildungsreise.

Um die Mittagszeit kommen wir in Ciutadella an der Westküste der Insel an. Die Altstadt, die mit ihren verwinkelten Gassen noch ihren ursprünglichen Charme besitzt verzückt uns sofort. Imposant das Zentrum der Stadt, die Plaza d’es Born mit seinen Cafes und Bars, das imposante Rathaus mit dem Obelisken davor, der für die Gefallenen des osmanischen Überfalls errichtet wurde, nachdem die Türken die Stadt in Schutt und Asche gelegt hatten, weiß Britta uns zu informieren.
Die gotische Kathedrale erinnert uns an die (natürlich weitaus größere und bekanntere) im Hafen von Palma de Mallorca.

Von Ciutadella im Westen bis Mahon im Osten reihen sich entlang der Südküste paradiesisch schöne Badebuchten mit feinsandigen Stränden und kristallklarem, türkisfarbenen Wasser aneinander: Cala’n Bosch, Son Xoriguer, Cala Galdana, Cala Macarelle, Son Bou und Punta Prima um nur einige zu nennen. Son Bou hat mit knapp 3km den längsten Strand. Oft sind die Strände sehr flach abfallenden und gerade für kleine Kinder gut geeignet.
Sabine und ich finden aber auch, dass Menorca nicht nur ein Ziel für Familien ist. Die kleinere Schwester Mallorcas ist ein Platz für Naturliebhaber und Genießer – unbedingt.

Zu unserem Abschlussabend werden wir von der örtlichen Fremdenverkehrsvereinigung in eines der tollen, aber nicht ganz so günstigen, Fischrestaurant in den Hafen von Ciutadella eingeladen. Das Menü ist köstlich!
Einen Absacker wollen wir in einer der kleinen stylischen Bars in der Nähe nehmen. Da hab ich schon was geeignetes gesehen, schnell schließt sich eine weitere nette Kollegin an und wir bestellen die, für Menorca bekannte, „Pomada“, ein Erfrischungsgetränk aus Gin und Zitronenlimonade. Köstlich und hat noch gefehlt.

Im Gegensatz zu Mallorca geht Menorcas Saison von Mai bis Oktober, danach versinkt die Insel in den „Winterschlaf“. Köche und Busfahrer werden teilweise in dieser Zeit wieder zu Bauarbeitern und richten wieder alles her – der nächste Sommer kommt bestimmt.

Ich bin ganz froh, dass ich meine Eindrücke von einem Urlaub auf Menorca vertiefen und auffrischen konnte. Wenn Sie Fragen haben oder sich über besondere Tipps freuen, die in keinem Reiseführer stehen, Britta hat mir eine ganze Reihe verraten … sprechen sie mich einfach an.

Ihre Anne Jansen-Schaffers